Donnerstag, 24. November 2011

Vogelspinnen fotografieren - Kameraeinstellungen

Willkommen zum zweiten Teil der Serie "Vogelspinnen richtig fotografieren".

2. Kameraeinstellungen - reicht der Automatikmodus?
In der Regel stößt der Automatikmodus bei Makroaufnahmen an seine natürlichen Grenzen. Besonders bei Bridge-, System- oder Spiegelreflexkameras sollte sich der Fotograf mit gewissen Einstellungen vertraut machen. Nur so lässt sich die wirkliche Leistung seiner Kamera voll ausschöpfen.

Im Folgenden möchte ich die wichtigsten Einstellungen erläutern und Tipps geben, welche davon sinnvoll sind bei der Fotografie von Vogelspinnen. Dabei gehe ich davon aus, dass Bilder komprimiert im JPEG Format gespeichert werden. Fotografen, die in RAW speichern wissen wahrscheinlich was sie tun und benötigen keine Anleitung von mir. :)

Grundeinstellungen
  • Bildqualität/Komprimierung - Sollte auf der best möglichen Qualität eingestellt sein, also mit dem meisten Speicherplatzbedarf je Foto. Bei Nikon bspw. heißt diese üblicherweise "JPEG fine".
  • Bildgröße - Sollte auf die größt mögliche Auflösung eingestellt sein, also mit dem meisten Speicherplatzbedarf je Foto. Bei Nikon bspw. heißt diese üblicherweise "Large".
  • Lichtempfindlichkeit - Sollte wenn möglich auf den niedrigsten ISO Wert eingestellt werden. Je höher der Wert, desto höher ist das sogenannte Bildrauschen.
  • Weißabgleich - Hängt immer vom aktuellen Licht und der Kamera ab. Bei manchen Kameras funktioniert der Weißabgleich auf Automatik sehr gut, bei anderen wiederum nicht. Bei extremen Farbtemperaturen ist man meistens gezwungen, den Weißabgleich manuell einzustellen. Bei vielen Kameras kann man sogar den genauen Wert in Kelvin einstellen. Kennt man die Farbtemperatur seiner Beleuchtung, dann ist das natürlich die optimale Lösung.

Erweiterte Einstellungen

  • Programme - Neben dem Automatikmodus bietet eigentlich jede Kamera verschiedene andere Modi. Je nach Modus sind manche Einstellungen aktiviert oder deaktiviert. Generell gilt dass im Automatikmodus die meisten Einstellungen deaktiviert sind, weswegen man in der Makro-Fotografie ein anderes Programm wählen sollte. Manche Kameras bieten auch sogenannte Motivprogramme, die sich für die gewählte Situationen wie Portrait, Landschaft oder auch Makro besonders gut eignen sollen. Ich persönlich halte nichts von diesen Programmen und stelle die gewünschten Parameter lieber selber ein. Den größten Einstellungsspielraum bietet das Programm "M" für manuell und ist damit auch am besten für die Fotografie von Vogelspinnen geeignet.
  • Fokussieren - Wenn möglich, dann sollte man in der Makro-Fotografie manuell fokussieren, um sicher zu gehen dass die gewünschte Ebene scharf ist. Bei automatischer Fokussierung ist unbedingt der folgende Punkt zur Messfeldsteuerung zu beachten.
  • Autofokus-Messfeldsteuerung - Im Automatik-Modus ist die AF-Messfeldsteuerung meistens auf dynamisch voreingestellt, was bedeutet dass die Kamera alle vorhandenen Messfelder nutzt und selber entscheidet, auf welches Objekt fokussiert wird. Für die Makro-Fotografie sollte man die Steuerung auf Einzelfeld stellen und das Messfeld benutzen, wo das Objekt scharf gestellt werden soll (meistens das mittlere).
  • Verschlusszeit - Die Verschlusszeit bezeichnet die Zeit, in der belichtet wird. Je länger diese Zeit, desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Gleichzeitig steigt dann aber auch die Verwacklungsgefahr bei Freihandaufnahmen. Je kürzer die Verschlusszeit, desto weniger Licht trifft auf den Sensor und desto kleiner ist die Verwacklungsgefahr. Die Verschlusszeit steht in enger Verbindung mit der Blende und dem vorhandenen Licht. Je mehr Licht und je kleiner die Blendenzahl (also größere Blende), desto kürzer können die Verschlusszeiten gewählt werden. Für Freihandaufnahmen sollte die Verschlusszeit nicht über 1/60 sec. liegen. Ich empfehle eine Verschlusszeit von 1/200 sec., was bei den für Makro-Aufnahmen üblichen kleinen Blenden aber auch viel Licht vorraussetzt. Ein Bildstabilisator kann bei Freihandaufnahmen zusätzlich helfen und längere Verschlusszeiten ermöglichen.
  • Blende - Bezeichnet ursprünglich eine mechanische Vorrichtung an Objektiven, um den Lichtdurchlass zu verändern. Für die Makro-Fotografie ist die Wahl der Blende von großer Bedeutung, weil durch sie die Tiefenschärfe beeinflusst wird. Dabei gilt, je keiner die Blende (also größere Blendenzahl), desto größer die Schärfentiefe, also der Bereich, der als scharf wahrgenommen wird. Wie oben beschrieben, hängt die Wahl der Blende aber auch mit der Verschlusszeit und dem verfügbaren Licht zusammen. Es gibt noch weitere Faktoren, die die Blendenwahl beeinflussen, wie das Objektiv, der Abstand zum fotografierenden Objekt und die Sensorgröße. Deshalb kann hier pauschal keine "optimale" Zahl für die Blende genannt werden. Wichtig ist nur, immer gezielt mit verschiedenen Blenden zu testen, um so das optimale Ergebnis zu bekommen.
  • Belichtung Messmodus - Bezeichnet die Art, wie die Kamera die richtige Belichtung misst. Dabei können meist drei Modi angegeben werden: Integral, Mittenbetont und Spot. Bei der Integralmessung wird die Belichtung für das gesamte Bild gemessen, bei Mittenbetont ist der Schwerpunkt der Messung allgemein in der Mitte, bei Spot wird nur ein ganz kleiner Teil in der Mitte für die Belichtungsmessung berücksichtigt. Bei der Makro-Fotografie ist der Messmodus nicht so wichtig, weil wir sowieso fast alles manuell einstellen. Für andere Motivprogramme sollte der Messmodus auf Mittenbetont oder Spot stehen - hier muss getestet werden, was je nach Umgebung und Objekt die besseren Ergebnisse liefert. Kleine Korrekturen in der Belichtung erreicht man mit der nachfolgend erklärten Belichtungskorrektur.
  • Belichtungskorrektur - Bezeichnet die absichtlich von der Messung abweichende, manuelle Korrektur der Belichtung. Selbst einfache Kompaktkameras verfügen über diese Einstellmöglichkeit, die meistens mit einem +/- gekennzeichnet ist und in der Maßeinheit EV (Exposure Value) angegeben wird. Gerade in besonders schwierigen Lichtverhältnissen kann man hiermit gezielt der automatischen Belichtung entgegen steuern. Ist das Motiv zu dunkel, dann wählt man einen Wert im positiven Bereich (für eine minimale Veränderung z.B. +0.3 EV). Ist es zu hell, so wählt man einen Wert im negativen Bereich (für eine große Veränderung z.B. -2.0 EV). Bei der Belichtungskorrektur wird automatisch die Blende angepasst bzw. die Belichtungszeit, falls die Blende nicht weiter verändert werden kann. Besitzer von Bridge- System- oder Spiegelreflexkameras mit einem komplett manuellen Programm-Modus können die Belichtung natürlich wie oben beschrieben gezielt über die Wahl der Blende + Verschlusszeit selber einstellen. Bei Kompaktkameras und der Nutzung des Automatik-Modus ist die Belichtungskorrektur allerdings eine sehr nützliche Einstellmöglicheit.

Je nach Kameratyp sind die Einstellmöglichkeiten natürlich total verschieden und konnten hier leider nur grob skizziert werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es für die Fotografie von Vogelspinnen einfach unerlässlich ist, so viele Parameter wie möglich selbst einzustellen und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Parametern zu verstehen.

Wie immer macht Übung den Meister - probiert einfach mal verschiedene Kombinationen aus und tastet Euch langsam an die perfekten Einstellungen heran. Dabei sollten schlechte Ergebnisse nicht abschrecken - denn aus Fehlern lernt man bekanntlich am besten. :)

Bei Freihandaufnahmen werdet Ihr wahrscheinlich schnell an Eure Grenzen stoßen, weil entweder das verfügbare Licht nicht ausreicht, oder der interne Blitz zu hartes Licht bzw. zu starke Schatten erzeugt. Welches Equipment jetzt hilfreich sein kann und wie Ihr es richtig einsetzt, erfahrt Ihr im nächsten Beitrag:

3. Das richtige Zubehör - Licht, Stativ und Co.

Sonntag, 20. November 2011

Vogelspinnen fotografieren - die Wahl der richtigen Kamera

Willkommen zum ersten Teil der Serie "Vogelspinnen richtig fotografieren".

1. Die Wahl der richtigen Kamera - muss es unbedingt eine Spiegelreflex sein?
Diese Frage ist sehr schnell beantwortet: Nein. Ansprechende Fotos gelingen auch mit preiswerten Kompaktkameras. Andere Faktoren sind viel entscheidender für ein brauchbares Foto.

Trotzdem wird der Fotograf natürlich durch sein Arbeitsgerät beschränkt. Die interne Kamera eines Smartphones reicht vielleicht für einen Schnappschuss, allerdings stößt sie bei der Makrofotografie sehr schnell an ihre Grenzen.

Hier eine Übersicht der aktuell gängigen Kamera-Klassen:
  • Eingebaute Handy-Kameras - protzen mit Megapixeln, produzieren aber nur Schrott - für die Fotografie von Vogelspinnen absolut ungeeignet.
  • Kompaktkameras - eingeschränkt durch ihre Optik und Einstellmöglichkeiten, bieten Kompaktkameras keinen großen Gestaltungsspielraum, eignen sich aber dennoch für die Makrofotografie. Besonders für Anfänger, die ausschließlich im Automatik-Modus fotografieren, ist die Kompaktkamera immer noch eine gute und sehr preisgünstige Wahl. (Preise liegen bei etwas 100-300 Euro)
  • Bridge-Kameras - bieten eine Vielzahl an Einstellmöglichkeiten, haben aber eine fest integrierte Optik und meist einen kleinen Sensor, wie bei Kompaktkameras. Sie eignen sich sehr gut für die Fotografie von Vogelspinnen und sind die erste Wahl für ambitionierte Hobbyfotografen, die keine Angst vor manuellen Einstellungen haben, aber nur über ein begrenztes Budget verfügen. (Preise liegen bei etwa 200-500 Euro)
  • System-Kameras - vereinen die Vorzüge von Spiegelreflexkameras und kompakten. Sie bieten wechselbare Objektive, einen großen Sensor und eine Vielzahl an Einstellmöglichkeiten - und das alles in einer sehr kompakten Bauweise. Der Nachteil ist, dass sie nicht viel günstiger als eine Spiegelreflex sind. Mit anständigen Optiken ist man sehr schnell bei Preisen über 1000€. Sie eignen sich also eher für den betuchten Hobbyfotografen oder als Zweitkamera für den Profi.
  • Spiegelreflexkameras - durch ihre großen Sensoren, wechselbaren Objektive, die Vielzahl an Einstellmöglichkeiten und das große Angebot an Zubehör bieten sie dem Fotografen den größt möglichen Gestaltungsspielraum. Günstige Bodies mitsamt Kit-Objektiv gibt es bereits ab ca. 400€. Die Kit-Optiken sind aber meist von eher minderwertiger Qualität - so ist die Enttäuschung des ersten Schnappschusses oft groß. Eine gute Makro-Festbrennweite kostet dann gerne mal das gleiche wie das komplette Kamera-Set, oder sogar noch mehr. Spiegelreflexkameras eignen sich somit für den betuchten Hobbyfotografen und natürlich dem Profi.

Die Wahl der richtigen Kamera hängt in erster Linie natürlich vom Budget ab. Man sollte sich aber auch selber fragen, wie weit man sich mit der Materie befassen möchte.
Für Leute mit geringem Budget oder die, die über den Automatik-Modus nicht hinaus möchten, empfehle ich die klassische Kompaktkamera.
Möchte man sich näher mit der Fotografie beschäftigen, aber nicht mehr als 300-500€ für eine Kamera ausgeben, dann empfehle ich den Kauf einer Bridge-Kamera.

Alle die tiefer in die Tasche greifen möchten, sollten sich persönlich im Fachgeschäft beraten lassen. System- oder Spiegelreflexkameras sollte man einmal in der Hand gehalten und sich die Einstellungen und Menüführung angeschaut haben. Welches System es letztendlich sein soll, hängt dann vom persönlichen Geschmack ab. Für die Fotografie von Vogelspinnen sollte man dann am besten gleich ein Makro-Objektiv mit Festbrennweite dazu kaufen.

Hier geht es zum nächsten Beitrag dieser Serie:
2. Kameraeinstellungen - reicht der Automatikmodus?

Vogelspinnen richtig fotografieren

In einem Punkt sind wir uns wahrscheinlich alle einig: Vogelspinnen sind wunderschöne und interessante Haustiere. Doch wie rückt man diese Tiere in das richtige Licht? Welche Ausrüstung braucht man, um ein hochwertiges Foto seines Pfleglings machen zu können? Muss es unbedingt eine Spiegelreflex Kamera sein, oder reicht das Hightech-Handy mit integrierter 10 Megapixel Kamera?

Wie immer liegt die Antwort irgendwo dazwischen und kann nicht in ein paar Sätzen gegeben werden.

Was überhaupt ein "gutes Foto" ist, liegt natürlich in erster Linie im Auge des Betrachters. Für mich müssen folgende Punkte erfüllt sein, damit ein Foto als gut bezeichnet werden kann:
  1. Der Schärfeberereich liegt auf der richtigen Stelle. Beispiel: Lichtet man eine Vogelspinne in der Gesamtheit ab, so sollte der schärfste Bereich auf dem Augenhügel liegen und bspw. nicht auf einem Bein.
  2. Keine wichtigen Teile des Objektes sind abgeschnitten. Bei einer Komplettaufnahme der Vogelspinne sollte also kein Fuß abgeschnitten sein.
  3. Keine störenden Objekte im Foto. Dazu gehören bei Vogelspinnen z.B. die Scheiben des Terrariums, Wasserschalen oder Objekte, die im Hintergrund stehen, wie z.B. eine Schreibtischlampe.
  4. Eine korrekte Farbabstimmung. Das menschliche Auge verfügt über eine chromatische Adaption und kann verschiedene Farbtemperaturen automatisch korrigieren. Bei einer Kamera erledigt dies der automatische Weißabgleich, der aber bei extremen Situationen, wie z.B. Leuchtstoffröhren im Terrarium, oft daneben liegt. Das Resultat ist dann ein Foto mit z.B. zu starken Blautönen.
  5. Eine ansprechende Bildkomposition. Dabei muss nicht unbedingt immer die Regel des goldenen Schnitts gelten. Bei einem Vogelspinnen-Portrait darf ruhig das wichtigste Objekt in der Mitte des Bildes abgebildet sein. Dies kann z.B. der Augenhügel sein.
Hier einige Beispiele zur Verdeutlichung:


Das obige Bild ist im Prinzip der GAU der Vogelspinnen-Fotografie. Der Schärfebereich liegt irgendwo auf dem Hinterteil, der Augenhügel ist unscharf, die Füße unten sind abgeschnitten, die Terrarienscheiben spiegeln, der Weißabgleich ist falsch, woraus ein starker Rotstich resultiert und von Bildkomposition kann nicht die Rede sein.

Das sieht schon etwas besser aus - immerhin passen die Farben. Der Schärfebereich liegt über die gesamte Spinne und darüber hinaus. Das Holzbrett ist dadurch ebenfalls scharf und lenkt vom eigentlichen Motiv ab. Allgemein ist das Foto langweilig komponiert und einfach uninteressant.

Es wird immer besser, aber immer noch nicht gut. Der Schärfebereich liegt auf dem Hinterteil, der Augenhügel hingegen ist unscharf. Der Fotograf hätte sich außerdem entscheiden sollen - möchte man die gesamte Spinne ablichten, oder nur ein interessantes Detail? Für die Gesamtaufnahme sind die Beine leider abgeschnitten, für eine Detailaufnahme des Augenhügels ist man allerdings noch nicht nah genug dran.

Aber wie sieht denn nun ein "gutes" Vogelspinnen-Foto aus?


In meinen Augen ist das obige Foto ein Beispiel für eine gute Detailaufnahme einer Grammostola pulchripes. Die Schärfe liegt genau auf dem Augenhügel, die Farben sind satt und stimmig und keine störenden Elemente lenken vom Motiv ab. Vielleicht ist das Foto noch nicht perfekt - aber gut ist es allemal. ;)
In weiteren Blogbeiträgen möchte ich Euch die wichtigsten Faktoren für ein gutes Foto näher erläutern:
  1. Die Wahl der richtigen Kamera - muss es unbedingt eine Spiegelreflex sein?
  2. Kameraeinstellungen - reicht der Automatikmodus?
  3. Das richtige Zubehör - Licht, Stativ und Co.
  4. Die richtige Umgebung - muss ich die Vogelspinne zum Fotografieren aus dem Terrarium nehmen?
  5. Bildbearbeitung - der letzte Feinschliff mit Photoshop und Co.
Ich hoffe Ihr habt Spaß beim Lesen und Ausprobieren!

P.S. Ich bin kein Profi-Fotograf, sondern möchte hier lediglich meine Erfahrung mit Euch teilen. Konstruktive Kritik ist immer gerne gesehen - aber bitte keine Klugscheißerei. ;)

Dienstag, 7. Juni 2011

Avicularia versicolor

Avicularia versicolor (Walckenaer, 1837)

Herkunft:
Martinique
Lebensweise: baumbewohnend
Endgröße: 5-6 cm Körperlänge (Weibchen)

Erstbeschreibung: Fabricius, J. C. Systema entomologiae, sistens insectorum classes, ordines, genera, species, adiectis, synonymis, locis descriptionibus observationibus. Flensburg and Lipsiae, 832 pp. (Araneae, pp. 431-441).

Allgemeine Beschreibung: Weibchen erreichen eine reine Körperlänge von ca. 5-6cm, adulte Männchen ca. 3-5cm. Adulte Weibchen und Männchen haben einen metallisch glänzenden grünen Carapax, ein dunkelrotes Abdomen mit einem deutlich erkennbaren silber-schwarz schimmernden Brennhaarspiegel und schwarze Beine mit roter Behaarung. Die beiden hinteren Beinpaare weisen eine deutlich stärkere Behaarung auf als die beiden vorderen und die Pedipalpen. Spiderlinge sind bis zur ca. 5. Fresshaut einheitlich metallisch blau gefärbt. Avicularia versicolor Jungtiere lassen sich übrigens sehr gut von Avicularia laeta anhand der längeren Behaarung unterscheiden. Erst ab ca. der 6. Fresshaut färben sich die Tiere innerhalb von zwei Häutungen zur Adultfärbung um. Dieser sehr starke Farbunterschied muss einen evolutionären Hintergrund haben, über den ich nur vermuten kann. Ein Grund könnte z.B. sein, dass sich die kleineren Tiere primär in einer anderen Höhenlage als die großen Tiere aufhalten und sie in dieser Höhenlage durch die blaue Färbung besser getarnt sind, z.B. wegen blauer Blüten. Ein anderer könnte z.B. sein, dass die verschiedenen Größen auch verschiedene Fressfeinde mit sich bringen und die Tiere in ihrer jeweiligen Größe durch die jeweilige Färbung vorteilhafter getarnt sind.
Avicularia versicolor sind vom Verhalten her sehr ruhig und defensiv. Teilweise können sie bei Störung aber auch recht hektisch reagieren und dabei sehr schnell werden, was einen unerfahrenen Halter erschrecken kann. Außerdem können sie auch mal versehentlich zubeißen, wenn man sie z.B. zaghaft mit der Pinzette berührt. Jeder Halter einer Avicularia versicolor hat bestimmt schon erlebt, wie das Tier einen Wasserstrahl attackiert. Dies sollte aber nicht als aggressives Verhalten, sondern eher als Verwechslung interpretiert werden. Dennoch ist beim Umgang mit Avicularia versicolor Vorsicht geboten, weil sich der Halter leicht auf das ruhige Wesen seines Tieres verlassen kann und dann unachtsam wird.

Haltung: Als Mindestmaß für adulte Tiere würde ich ein Terrarium mit 20*20*30cm (l*b*h) empfehlen, das mit einer Doppellüftung ausgestattet ist. Ein 30*30*40cm großes Terrarium ist aber mehr als ausreichend. Der Bodengrund sollte 5-10cm hoch eingefüllt werden und kann aus Blumenerde, Walderde oder auch Quellhumus bestehen. Ich würde Blumenerde mit ein wenig untergemischtem Sand oder Lehmerde empfehlen. Adulte Tiere sind nicht sehr anspruchsvoll in der Haltung und vertragen sowohl niedrige Temperaturen von tagsüber 21-22 Grad, als auch höhere von 26-28 Grad. Zu empfehlen wäre ein Mittelwert von ca. 23-25 Grad tagsüber und ca. 19-20 Grad nachts, wobei jahreszeitlich bedingte Schwankungen nicht weiter schlimm sind. So sollte sich kein Halter verrückt machen, wenn die Temperaturen im Sommer auch mal 30 grad erreichen, solange das kein Dauerzustand ist. Einmal in der Woche sollte man einen Teil des Substrats befeuchten und etwas Wasser an eine Scheibe neben das Gespinst sprühen, weil Baumbewohner allgemein gerne die Tropfen von den Scheiben trinken. Das Substrat sollte in den folgenden 2-3 Tagen komplett ausgetrocknen können.
Die Haltung der Jungtiere gestaltet sich bis ca. zur 5. Fresshaut etwas problematischer. Oft höre ich von Haltern, dass ihnen die Spiderlinge regelmäßig eingehen und sie nicht wissen, woran das liegen könnte. Der Hauptgrund ist wahrscheinlich eine zu feuchte Haltung bei mangelnder Belüftung, oft auch verbunden mit erhöhten Temperaturen. Zur Haltung von Jungtieren eignen sich kleine Kunststoffdosen, wie sie in der Gastronomie eingesetzt werden, welche großzügig gelocht werden sollten. Ein- bis zweimal die Woche spüht man etwas Wasser in eine Ecke der Dose. Die Erde kann dabei ruhig etwas feucht werden, sollte aber in den folgenden zwei Tagen komplett austrocknen. Somit ist die Haltung eigentlich identisch zu der der größeren Tiere, mit dem einzigen Unterschied dass größere Tiere auch mal einen Haltungsfehler verzeihen, Jungtiere aber hingegen sehr schnell sterben.

Anfängerempfehlung? Bedingt. Mit dem nötigen Vorwissen würde ich Avicularia versicolor auch einem ambitionierten Anfänger empfehlen. Möchte jemand einfach nur eine Vogelspinne besitzen, sich aber nicht weiter mit dem Hobby beschäftigen, dem würde ich eher zu anderen Arten raten. Anfänger sollten sich am besten ein juveniles Weibchen ab der 5. Fresshaut oder ein größeres Weibchen kaufen, weil die Haltung der Jungtiere doch ein wenig Erfahrung und Fingerspitzengefühl abverlangt. Beim Kauf von Spiderlingen würde ich jedem empfehlen, mindestens 5-10 Tiere zu erwerben.

Aktuelle Preise:
adulte Weibchen werden sehr selten angeboten und kosten ca. 60€. Adulte Männchen werden regelmäßig angeboten und bewegen sich bei ca. 30-45€. Spiderlinge in der 1.FH kosten ca. 4€ und sind regelmäßig erwerbbar.

Zucht: Die Zucht von Avicularia versicolor ist recht einfach. Nach der Verpaarung, die in der Regel sehr friedlich abläuft, sollte man den Bodengrund etwas feuchter halten und bei Bedarf die Temperatur leicht erhöhen. In der Regel bauen die Weibchen nach ca. 8 Wochen einen Kokon, je nach Zustand bei der Verpaarung. Meiner Erfahrung nach sollte man die Weibchen nicht zu früh nach einer Häutung verpaaren und Ihnen ca. zwei Monate Zeit geben, es sei denn man hat ein älteres Männchen und kann es nicht länger aufschieben. Weibchen die zu früh nach einer Häutung verpaart wurden haben bei mir kaum auf das Männchen reagiert und sich zwar gepaart, aber keinen Kokon gebaut. Weiber bei denen die Häutung länger zurück lag haben hingegen durch heftiges Trommeln auf die werbenden Männchen reagiert und dann auch ca. zwei Monate später einen Kokon gebaut.
Der Kokon enthält in der Regel 80 bis selten über 200 Eier, je nach Alter und Zustand des Tieres. Ein guter Durchschnitt liegt bei um die 150 Eier.

adultes WeibchenAvicularia versicolor female
adultes MännchenAvicularia versicolor male
Spiderling, 5. FresshautAvicularia versicolor Spiderling
Spiderling, 2. FresshautAvicularia versicolor Spiderling

Avicularia purpurea

Avicularia purpurea Kirk, 1990

Herkunft: Ekuador
Lebensweise: baumbewohnend
Endgröße: 4-5 cm Körperlänge (Weibchen)

Erstbeschreibung: Kirk, P. Avicularia purpurea, a new species of theraphosid spider from Ecuador. Br. Tarantula Soc. J. 6(1): 15-19.

Allgemeine Beschreibung: Weibchen erreichen eine reine Körperlänge von ca. 4-5 cm, adulte Männchen ca. 3-4 cm. In Deutschland gibt es unterschiedlich gefärbte Varianten von A.purpurea, was durch verschiedene Wildfang-Importe, wahrscheinlich aus unterschiedlichen Fundgebieten, bedingt ist. Dabei ist noch nicht geklärt, welche Variante die „echte“ A.purpurea ist und ob es sich überhaupt bei allen Farbformen um A.purpurea handelt. Man kann aktuell zwei Farbformen voneinander unterscheiden: eine mit und eine ohne weiße Haarspitzen. Solange nicht geklärt ist, wodurch diese Farbvarianten bedingt sind, sollte man nur Tiere der optisch identischen Variante untereinander verpaaren. Bei A.purpurea gibt es keinen Geschlechtsdimorphismus, das heißt, Männchen und Weibchen haben im gleichen Stadium auch die gleiche Färbung. Mit geübtem Auge kann man so leicht erkennen, ob ein adultes Männchen zu einem vorhandenen Weibchen passt, oder nicht. Dabei ist allerdings der Zeitabstand zur letzten Häutung zu beachten. Am Besten kann man frisch gehäutete Tiere miteinander vergleichen. Die Variante ohne weiße Haarspitzen gilt derzeit als „die echte“ Avicularia purpurea und soll im Weiteren beschrieben werden.
A.purpurea sind ab ca. der 4.-5. Fresshaut bis hin zum adulten Stadium einheitlich lila-schwarz gefärbt, wobei das Abdomen fast komplett schwarz ist. Ohne Beleuchtung wirken die Tiere eher schwarz und zeigen ihre metallisch schimmernde lila Färbung erst richtig bei zusätzlicher Lichteinwirkung, z.B. durch eine Taschenlampe oder einen Kamerablitz.
Nymphen ab der 1. Fresshaut sind grau-schwarz und weisen noch keinerlei lila Färbung auf. Mit ca. der vierten Fresshaut kommt es dann zur langsamen Umfärbung.
Avicularia purpurea sind vom Verhalten her zwar Avicularia-typisch defensiv, reagieren bei Störung aber sehr hektisch und versuchen blitzartig zu flüchten. Bei der Flucht kommt es auch oft zu kleinen Sprüngen an Kanten und Abgründen, bei denen sie ausgestreckt zu Boden gleiten und sofort weiterrennen, bis sie eine vermeintlich sichere Stelle erreicht haben.
Haltung: Als Mindestmaß für adulte Tiere würde ich ein Terrarium mit 20*20*30cm (l*b*h) empfehlen, das mit einer Doppellüftung ausgestattet ist. Ein 25*25*35cm großes Terrarium ist aber mehr als ausreichend. Der Bodengrund sollte 5-10cm hoch eingefüllt werden und kann aus Blumenerde, Walderde oder auch Quellhumus bestehen. Ich würde Blumenerde mit ein wenig untergemischtem Sand oder Lehmerde empfehlen. Adulte Tiere sind nicht sehr anspruchsvoll in der Haltung und vertragen sowohl niedrige Temperaturen von tagsüber 21-22 Grad, als auch höhere von 26-28 Grad. Zu empfehlen wäre ein Mittelwert von ca. 23-25 Grad tagsüber und ca. 19-20 Grad nachts, wobei jahreszeitlich bedingte Schwankungen nicht weiter schlimm sind. So sollte sich kein Halter verrückt machen, wenn die Temperaturen im Sommer auch mal 30 grad erreichen, solange das kein Dauerzustand ist. Einmal in der Woche sollte man einen Teil des Substrats befeuchten und etwas Wasser an eine Scheibe neben das Gespinst sprühen, weil Baumbewohner allgemein gerne die Tropfen von den Scheiben trinken. Das Substrat sollte in den folgenden 2-3 Tagen komplett ausgetrocknen können.
Die Haltung der Jungtiere gestaltet sich bis ca. zur 5. Fresshaut etwas problematischer. Oft höre ich von Haltern, dass ihnen die Spiderlinge regelmäßig eingehen und sie nicht wissen, woran das liegen könnte. Der Hauptgrund ist wahrscheinlich eine zu feuchte Haltung bei mangelnder Belüftung, oft auch verbunden mit erhöhten Temperaturen. Zur Haltung von Jungtieren eignen sich kleine Kunststoffdosen, wie sie in der Gastronomie eingesetzt werden, welche großzügig gelocht werden sollten. Ein- bis zweimal die Woche spüht man etwas Wasser in eine Ecke der Dose. Die Erde kann dabei ruhig etwas feucht werden, sollte aber in den folgenden zwei Tagen komplett austrocknen. Somit ist die Haltung eigentlich identisch zu der der größeren Tiere, mit dem einzigen Unterschied dass größere Tiere auch mal einen Haltungsfehler verzeihen, Jungtiere aber hingegen sehr schnell sterben.
Anfängerempfehlung? Nein. Avicularia purpurea reagieren zwar in der Regel defensiv und versuchen stets zu flüchten, sind aber durch ihr hektisches Fluchtverhalten nicht geeignet für einen Anfänger. Für den Einstieg in die Haltung von Avicularia Arten würde ich zunächst eine ruhigere Art empfehlen, wie z.B. Avicularia versicolor oder Avicularia metallica. Generell sind jedoch alle Avicularia Arten nur mit dem nötigen Vorwissen zu empfehlen. Möchte jemand einfach nur eine Vogelspinne besitzen, sich aber nicht weiter mit dem Hobby beschäftigen, dem würde ich eher zu anderen Arten raten.
Aktuelle Preise: Adulte Weibchen werden in der Regel nur angeboten, wenn es aktuell Wildfang-Importe gibt. Dann liegen die Preise für ein adultes Weibchen bei ca. 40-50€. Momentan werden A.purpurea so gut wie gar nicht angeboten. Bei der derzeitig hohen Nachfrage dürfte daher der Preis für ein adultes Weibchen bei ca. 60-80€ liegen. Adulte Männchen werden zwar auch selten, aber regelmäßig angeboten und bewegen sich bei ca. 30-45€. Spiderlinge in der 1.FH kosten ca. 6€ und sind regelmäßig erwerbbar.

Zucht: Die Zucht von Avicularia purpurea ist recht einfach. Nach der Verpaarung, die in der Regel sehr friedlich abläuft, sollte man den Bodengrund etwas feuchter halten und bei Bedarf die Temperatur leicht erhöhen. In der Regel bauen die Weibchen nach ca. 8 Wochen einen Kokon, je nach Zustand bei der Verpaarung. Meiner Erfahrung nach sollte man die Weibchen nicht zu früh nach einer Häutung verpaaren und Ihnen ca. zwei Monate Zeit geben, es sei denn man hat ein älteres Männchen und kann es nicht länger aufschieben. Weibchen die zu früh nach einer Häutung verpaart wurden haben bei mir kaum auf das Männchen reagiert und sich zwar gepaart, aber keinen Kokon gebaut. Weiber bei denen die Häutung länger zurück lag haben hingegen durch heftiges Trommeln auf die werbenden Männchen reagiert und dann auch ca. zwei Monate später einen Kokon gebaut.
Der Kokon enthält in der Regel 80 bis ca. 150 Eier, je nach Alter und Zustand des Tieres. Ein guter Durchschnitt liegt bei um die 100 Eiern.

subadultes Weibchen
subadultes Männchen
adultes Männchen
Spiderling, 2. Fresshaut

Freitag, 3. Juni 2011

Vogelspinnen-Ausstellung Solingen

An Fronleichnam, den 23. Juni 2011 findet bereits zum fünften Mal eine große Vogelspinnen-Ausstellung im Tierpark Fauna in Solingen-Gräfrath statt.

Zum ganz normalen Eintrittspreis von 4€ für Erwachsene und 2,50€ für Kinder präsentieren meine Vogelspinnen-Kollegen Ralf und Dana mit mir zusammen die schönsten und größten Exemplare unserer Tiere.

Auch in diesem Jahr gibt es viele verschiedene Arten zu bestaunen, wie z.B. die Zwergvogelspinnen-Art Cyriocosmus elegans, die Hornvogelspinne Ceratogyrus marshalli oder eine wunderschöne Ornament-Vogelspinne Poecilotheria subfusca.

Mit dieser Ausstellung möchten wir einen kleinen Einblick in die faszinierende Welt der Vogelspinnen gewähren, Fragen beantworten und Vorurteile und Ängste abbauen.

Weitere Infos zum Tierpark findet ihr unter www.tierpark-fauna.de.

Bitte auch bei facebook teilnehmen und weitersagen!

Montag, 30. Mai 2011

Vogelspinnen richtig füttern

Immer wieder sieht man in Foren Fotos von überernährten Vogelspinnen. Oftmals sind es Anfänger, die es bei der Fütterung ihrer neuen Pfleglinge zu gut meinen.

Vogelspinnen können beim Nahrungsbedarf nicht mit anderen Haustieren verglichen werden. Es gibt keine feste Regel, dass eine Vogelspinne in einem bestimmten Intervall regelmäßig gefüttert werden muss.

Ich mache bei der Fütterung meiner Tiere einen Unterschied zwischen kleinen und größeren Tieren. Auch die Art der Unterkunft spielt für mich eine Rolle.

Spiderlinge und juvenile Tiere halte ich in Plastikdosen, wie man sie aus der Lebensmittelindustrie kennt. Dadurch dass die jüngeren Tiere sich in kürzeren Abständen häuten und weil durch die niedrige Höhe der Dosen keine Absturzgefahr besteht, füttere ich sie relativ viel. Ca. alle zwei bis drei Wochen kaufe ich frische Futtertiere und füttere die Jungtiere so lange, bis entweder keine Futtertiere mehr vorhanden sind, die Spinnen keine Nahrung mehr annehmen, oder bis sie augenscheinlich "dick genug" sind.

Dick heißt für mich, dass das Abdomen (Hinterleib) ca. doppelt so groß ist, wie das Prosoma (Vorderleib).

Bei mehr als doppelter Größe ist die Spinne in jedem Fall viel zu dick und sollte sofort auf Null-Diät gesetzt werden.

Subadulte und adulte Tiere werden bei mir nach einem ganz einfachen Schema gefüttert. Ist das Abdomen kleiner oder gleich groß wie das Prosoma, dann bekommt die Spinne etwas zu fressen. Ich füttere dann so lange, bis ca. das Verhältnis 1,5:1 erreicht ist. Sobald dieses Verhältnis überschritten wird, bekommt die Spinne auch kein Futter mehr.

Gerade bei großen, in Terrarien gehaltenen Tieren, ist es sehr wichtig, auf eine richtige Fütterung zu achten. Alle Vogelspinnen sind in der Lage zu klettern, wobei die meisten Bodenbewohner oft abstürzen, wenn sie die Decke erreichen. Bei einer überfütterten Vogelspinne kann solch ein Sturz lebensgefährlich sein!

Ein Anfänger muss sich erst an den Gedanken gewöhnen, dass Vogelspinnen einen sehr langsamen Stoffwechsel haben. Eine adulte, überfütterte Spinne kann in der Regel ohne Probleme ein ganzes Jahr ohne Futter auskommen - wahrscheinlich sogar noch länger.

Gerade als Anfänger sollte man sich daher strikt an die oben beschriebenen Regeln halten, um eine artgerechte Haltung seines Pfleglings zu gewährleisten.

Mittwoch, 27. April 2011

Brachypelma smithi

Brachypelma smithi (F. O. P.-Cambridge, 1897)

Herkunft: Mexiko
Lebensweise: bodenbewohnend
Endgröße: ca. 8 cm Körperlänge (Weibchen)
Schutzstatus:
WA II

Erstbeschreibung: F. O. P.-Cambridge, Arachnida - Araneida and Opiliones. In Biologia Centrali-Americana, Zoology. London, 2: 1-40.

Allgemeine Beschreibung: Die Gattung Brachypelma gehört zur Unterfamilie Theraphosinae. Der deutsche Trivialname von Brachypelma smithi lautet "Rotknievogelspinne".

Weibchen können eine reine Körperlänge von ca. 8cm erreichen. Die Größe geschlechtsreifer Männchen variiert, kann aber fast an die der Weibchen heran reichen. Wann die Weibchen ihre Geschlechtsreife erreichen lässt sich nicht genau sagen. Vor einer Körperlänge von 6cm würde ich persönlich allerdings keine Verpaarung versuchen.

B.smithi im 1. Nymphenstadium sind sehr klein und einheitlich beige gefärbt. Lediglich der Bereich der Brennhaare am Abdomen ist schwarz. Sie lassen sich vorerst nicht von den meisten anderen Brachypelma Arten unterscheiden, selbst eine Verwechslung mit anderen Gattungen wie z.B. Lasiodora ist möglich. Erst nach einigen Häutungen werden die typischen Beinringe erkennbar, anfangs allerdings noch sehr blass.

Brachypelma smithi wachsen äußerst langsam, so kommt die volle Färbung erst nach ca. drei Jahren mit schätzungsweise 3cm Körperlänge. Männchen erreichen bei durchschnittlicher Haltung die Geschlechtsreife nach ca. 5 Jahren. Weibchen ungefähr im gleichen Alter. Bis eine Körperlänge von ca. 8cm erreicht ist, können aber auch gut und gerne 10 Jahre verstreichen.

Bei einem Kauf einer kleinen B.smithi als Anfänger-Vogelspinne sollte man sich also vorher bewußt sein, dass man Geduld haben muss, bis der Pflegling eine stattliche Größe erreicht hat.

B.smithi lässt sich übrigens anhand eines Merkmals sehr gut von der auf den ersten Blick identisch aussehenden B.annitha unterscheiden. Die Tibia (das Beinglied unter der Patella, mit der orangen-roten Flammenzeichnung) ist bei B.smithi zu ca. einem Drittel weiß gefärbt, bei B.annitha hingegen ca. bis zur Hälfte.

Brachypelma smithi lassen sich vom Verhalten her nur sehr schwer in ein Schema einordnen. Generell sind sie eher defensiv und flüchten bei Störungen. Einige Exemplare fangen allerdings auch umgehend an zu bombadieren, was äußerst unangenehm sein kann, wenn man die feinen Brennhaare auf die Haut oder in die Atemwege bekommt. Je älter Vogelspinnen werden, desto ruhiger werden sie im Verhalten. Große und ältere Exemplare von B.smithi werden gerne für TV-Aufnahmen, oder bei Anti-Arachnophobie-Seminaren benutzt, um auf die Hand genommen zu werden. Einem Anfänger rate ich allerdings davon ab, seine B.smithi im Alleingang auf die Hand zu nehmen.

Haltung: Als optimale Terrariengröße für adulte Tiere würde ich 40*30*30cm (l*b*h) empfehlen. Der Bodengrund sollte ca. 10cm hoch eingefüllt werden und kann z.B. aus einem Gemisch von handelsüblicher Blumenerde und lehmhaltiger Walderde bestehen. Als Versteckmöglichkeit eignet sich eine halbierte Korkröhre, die man ein wenig in den Boden integrieren kann. Von einer Bepflanzung würde ich persönlich bei B.smithi abraten. Wer es nicht lassen kann, der sollte zu Sukkulenten greifen.

Eine zusätzliche Beleuchtung oder Beheizung des Beckens ist bei B.smithi nicht notwendig. Jahreszeitliche Schwankungen sind vollkommen in Ordnung, so dass im Sommer auch mal Temperaturen von um die 30 Grad erreicht werden dürfen und im Winter auch mal etwas unter 20 Grad. Man sollte lediglich immer darauf achten, dass das Terrarium nicht in der direkten Sonneneinstrahlung steht.

Beim Thema Luftfeuchtigkeit und Substratfeuchte scheiden sich bei B.smithi wahrscheinlich die Geister. Laut Klimmadiagramm herrscht im Verbreitungsgebiet von ca. Mai bis Oktober eine Regenzeit und von November bis April Trockenzeit. Möchte man B.smithi züchten, dann kommt man für eine erfolgreiche Nachzucht wahrscheinlich nicht um eine Simulation der Regenzeit herum, wobei diese ruhig deutlich kürzer ausfallen darf. Als einfacher Halter würde ich aber empfehlen, die Regenzeit komplett wegzulassen und B.smithi immer trocken zu halten. Lediglich der Wassernapf sollte immer gefüllt sein, das Substrat selbst sollte in der Regel komplett trocken sein. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass B.smithi bei zu feuchter Haltung gerne mal die Glasscheiben raufklettert und sogar in die Lüftungsgitter beißt.

Anfängerempfehlung? - Ja. Brachypelma smithi wird zurecht gerne als Anfänger-Vogelspinne empfohlen. Es sind in der Regel ruhige und pflegeleichte Tiere, die auch mal einen Haltungsfehler verzeihen. Ein weiterer Punkt, der diese Art sehr attraktiv macht ist, dass sie im Terrarium oft zu sehen ist und nicht sonderlich versteckt lebt. Vor einem Kauf eines kleinen Tieres sollte man sich nur bewußt sein, dass B.smithi sehr langsam wächst. Trotz ihres generell ruhigen Charakters sollte man es zudem vermeiden, die Tiere auf die Hand oder aus dem Terrarium zu nehmen.

Aktuelle Preise: Adulte Weibchen kosten momentan ca. 60€, adulte Männchen ca. 40€. Spiderlinge in der 1.FH sind bereits für ca. 3€ erhältlich.

adultes Weibchen
Brachypelma smithi Weibchen

Brachypelma smithi Weibchen

adultes Männchen

zweckmäßig eingerichtetes Terrarium
Brachypelma smithi Terrarium

abgestreifte Brennhaare am Abdomen
Brachypelma smithi Brennhaare

Freitag, 18. Februar 2011

5. große Vogelspinnen Ausstellung im Tierpark Fauna Solingen

Auch in diesem Jahr wird es wieder eine große Vogelspinnen Ausstellung im Tierpark Fauna in Solingen Gräfrath geben.

An Fronleichnam, den 23. Juni 2011 präsentieren Experten eine große Anzahl an verschiedenen Vogelspinnen und beantworten gerne neugierige Fragen von Groß und Klein.

Das Ganze findet im Veranstaltungsraum des Tierparks statt. Ein zusätzlicher Eintritt für die Ausstellung wird nicht verlangt!

Nähere Infos in Kürze!