Posts mit dem Label Artenbeschreibung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Artenbeschreibung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 7. Juni 2011

Avicularia versicolor

Avicularia versicolor (Walckenaer, 1837)

Herkunft:
Martinique
Lebensweise: baumbewohnend
Endgröße: 5-6 cm Körperlänge (Weibchen)

Erstbeschreibung: Fabricius, J. C. Systema entomologiae, sistens insectorum classes, ordines, genera, species, adiectis, synonymis, locis descriptionibus observationibus. Flensburg and Lipsiae, 832 pp. (Araneae, pp. 431-441).

Allgemeine Beschreibung: Weibchen erreichen eine reine Körperlänge von ca. 5-6cm, adulte Männchen ca. 3-5cm. Adulte Weibchen und Männchen haben einen metallisch glänzenden grünen Carapax, ein dunkelrotes Abdomen mit einem deutlich erkennbaren silber-schwarz schimmernden Brennhaarspiegel und schwarze Beine mit roter Behaarung. Die beiden hinteren Beinpaare weisen eine deutlich stärkere Behaarung auf als die beiden vorderen und die Pedipalpen. Spiderlinge sind bis zur ca. 5. Fresshaut einheitlich metallisch blau gefärbt. Avicularia versicolor Jungtiere lassen sich übrigens sehr gut von Avicularia laeta anhand der längeren Behaarung unterscheiden. Erst ab ca. der 6. Fresshaut färben sich die Tiere innerhalb von zwei Häutungen zur Adultfärbung um. Dieser sehr starke Farbunterschied muss einen evolutionären Hintergrund haben, über den ich nur vermuten kann. Ein Grund könnte z.B. sein, dass sich die kleineren Tiere primär in einer anderen Höhenlage als die großen Tiere aufhalten und sie in dieser Höhenlage durch die blaue Färbung besser getarnt sind, z.B. wegen blauer Blüten. Ein anderer könnte z.B. sein, dass die verschiedenen Größen auch verschiedene Fressfeinde mit sich bringen und die Tiere in ihrer jeweiligen Größe durch die jeweilige Färbung vorteilhafter getarnt sind.
Avicularia versicolor sind vom Verhalten her sehr ruhig und defensiv. Teilweise können sie bei Störung aber auch recht hektisch reagieren und dabei sehr schnell werden, was einen unerfahrenen Halter erschrecken kann. Außerdem können sie auch mal versehentlich zubeißen, wenn man sie z.B. zaghaft mit der Pinzette berührt. Jeder Halter einer Avicularia versicolor hat bestimmt schon erlebt, wie das Tier einen Wasserstrahl attackiert. Dies sollte aber nicht als aggressives Verhalten, sondern eher als Verwechslung interpretiert werden. Dennoch ist beim Umgang mit Avicularia versicolor Vorsicht geboten, weil sich der Halter leicht auf das ruhige Wesen seines Tieres verlassen kann und dann unachtsam wird.

Haltung: Als Mindestmaß für adulte Tiere würde ich ein Terrarium mit 20*20*30cm (l*b*h) empfehlen, das mit einer Doppellüftung ausgestattet ist. Ein 30*30*40cm großes Terrarium ist aber mehr als ausreichend. Der Bodengrund sollte 5-10cm hoch eingefüllt werden und kann aus Blumenerde, Walderde oder auch Quellhumus bestehen. Ich würde Blumenerde mit ein wenig untergemischtem Sand oder Lehmerde empfehlen. Adulte Tiere sind nicht sehr anspruchsvoll in der Haltung und vertragen sowohl niedrige Temperaturen von tagsüber 21-22 Grad, als auch höhere von 26-28 Grad. Zu empfehlen wäre ein Mittelwert von ca. 23-25 Grad tagsüber und ca. 19-20 Grad nachts, wobei jahreszeitlich bedingte Schwankungen nicht weiter schlimm sind. So sollte sich kein Halter verrückt machen, wenn die Temperaturen im Sommer auch mal 30 grad erreichen, solange das kein Dauerzustand ist. Einmal in der Woche sollte man einen Teil des Substrats befeuchten und etwas Wasser an eine Scheibe neben das Gespinst sprühen, weil Baumbewohner allgemein gerne die Tropfen von den Scheiben trinken. Das Substrat sollte in den folgenden 2-3 Tagen komplett ausgetrocknen können.
Die Haltung der Jungtiere gestaltet sich bis ca. zur 5. Fresshaut etwas problematischer. Oft höre ich von Haltern, dass ihnen die Spiderlinge regelmäßig eingehen und sie nicht wissen, woran das liegen könnte. Der Hauptgrund ist wahrscheinlich eine zu feuchte Haltung bei mangelnder Belüftung, oft auch verbunden mit erhöhten Temperaturen. Zur Haltung von Jungtieren eignen sich kleine Kunststoffdosen, wie sie in der Gastronomie eingesetzt werden, welche großzügig gelocht werden sollten. Ein- bis zweimal die Woche spüht man etwas Wasser in eine Ecke der Dose. Die Erde kann dabei ruhig etwas feucht werden, sollte aber in den folgenden zwei Tagen komplett austrocknen. Somit ist die Haltung eigentlich identisch zu der der größeren Tiere, mit dem einzigen Unterschied dass größere Tiere auch mal einen Haltungsfehler verzeihen, Jungtiere aber hingegen sehr schnell sterben.

Anfängerempfehlung? Bedingt. Mit dem nötigen Vorwissen würde ich Avicularia versicolor auch einem ambitionierten Anfänger empfehlen. Möchte jemand einfach nur eine Vogelspinne besitzen, sich aber nicht weiter mit dem Hobby beschäftigen, dem würde ich eher zu anderen Arten raten. Anfänger sollten sich am besten ein juveniles Weibchen ab der 5. Fresshaut oder ein größeres Weibchen kaufen, weil die Haltung der Jungtiere doch ein wenig Erfahrung und Fingerspitzengefühl abverlangt. Beim Kauf von Spiderlingen würde ich jedem empfehlen, mindestens 5-10 Tiere zu erwerben.

Aktuelle Preise:
adulte Weibchen werden sehr selten angeboten und kosten ca. 60€. Adulte Männchen werden regelmäßig angeboten und bewegen sich bei ca. 30-45€. Spiderlinge in der 1.FH kosten ca. 4€ und sind regelmäßig erwerbbar.

Zucht: Die Zucht von Avicularia versicolor ist recht einfach. Nach der Verpaarung, die in der Regel sehr friedlich abläuft, sollte man den Bodengrund etwas feuchter halten und bei Bedarf die Temperatur leicht erhöhen. In der Regel bauen die Weibchen nach ca. 8 Wochen einen Kokon, je nach Zustand bei der Verpaarung. Meiner Erfahrung nach sollte man die Weibchen nicht zu früh nach einer Häutung verpaaren und Ihnen ca. zwei Monate Zeit geben, es sei denn man hat ein älteres Männchen und kann es nicht länger aufschieben. Weibchen die zu früh nach einer Häutung verpaart wurden haben bei mir kaum auf das Männchen reagiert und sich zwar gepaart, aber keinen Kokon gebaut. Weiber bei denen die Häutung länger zurück lag haben hingegen durch heftiges Trommeln auf die werbenden Männchen reagiert und dann auch ca. zwei Monate später einen Kokon gebaut.
Der Kokon enthält in der Regel 80 bis selten über 200 Eier, je nach Alter und Zustand des Tieres. Ein guter Durchschnitt liegt bei um die 150 Eier.

adultes WeibchenAvicularia versicolor female
adultes MännchenAvicularia versicolor male
Spiderling, 5. FresshautAvicularia versicolor Spiderling
Spiderling, 2. FresshautAvicularia versicolor Spiderling

Avicularia purpurea

Avicularia purpurea Kirk, 1990

Herkunft: Ekuador
Lebensweise: baumbewohnend
Endgröße: 4-5 cm Körperlänge (Weibchen)

Erstbeschreibung: Kirk, P. Avicularia purpurea, a new species of theraphosid spider from Ecuador. Br. Tarantula Soc. J. 6(1): 15-19.

Allgemeine Beschreibung: Weibchen erreichen eine reine Körperlänge von ca. 4-5 cm, adulte Männchen ca. 3-4 cm. In Deutschland gibt es unterschiedlich gefärbte Varianten von A.purpurea, was durch verschiedene Wildfang-Importe, wahrscheinlich aus unterschiedlichen Fundgebieten, bedingt ist. Dabei ist noch nicht geklärt, welche Variante die „echte“ A.purpurea ist und ob es sich überhaupt bei allen Farbformen um A.purpurea handelt. Man kann aktuell zwei Farbformen voneinander unterscheiden: eine mit und eine ohne weiße Haarspitzen. Solange nicht geklärt ist, wodurch diese Farbvarianten bedingt sind, sollte man nur Tiere der optisch identischen Variante untereinander verpaaren. Bei A.purpurea gibt es keinen Geschlechtsdimorphismus, das heißt, Männchen und Weibchen haben im gleichen Stadium auch die gleiche Färbung. Mit geübtem Auge kann man so leicht erkennen, ob ein adultes Männchen zu einem vorhandenen Weibchen passt, oder nicht. Dabei ist allerdings der Zeitabstand zur letzten Häutung zu beachten. Am Besten kann man frisch gehäutete Tiere miteinander vergleichen. Die Variante ohne weiße Haarspitzen gilt derzeit als „die echte“ Avicularia purpurea und soll im Weiteren beschrieben werden.
A.purpurea sind ab ca. der 4.-5. Fresshaut bis hin zum adulten Stadium einheitlich lila-schwarz gefärbt, wobei das Abdomen fast komplett schwarz ist. Ohne Beleuchtung wirken die Tiere eher schwarz und zeigen ihre metallisch schimmernde lila Färbung erst richtig bei zusätzlicher Lichteinwirkung, z.B. durch eine Taschenlampe oder einen Kamerablitz.
Nymphen ab der 1. Fresshaut sind grau-schwarz und weisen noch keinerlei lila Färbung auf. Mit ca. der vierten Fresshaut kommt es dann zur langsamen Umfärbung.
Avicularia purpurea sind vom Verhalten her zwar Avicularia-typisch defensiv, reagieren bei Störung aber sehr hektisch und versuchen blitzartig zu flüchten. Bei der Flucht kommt es auch oft zu kleinen Sprüngen an Kanten und Abgründen, bei denen sie ausgestreckt zu Boden gleiten und sofort weiterrennen, bis sie eine vermeintlich sichere Stelle erreicht haben.
Haltung: Als Mindestmaß für adulte Tiere würde ich ein Terrarium mit 20*20*30cm (l*b*h) empfehlen, das mit einer Doppellüftung ausgestattet ist. Ein 25*25*35cm großes Terrarium ist aber mehr als ausreichend. Der Bodengrund sollte 5-10cm hoch eingefüllt werden und kann aus Blumenerde, Walderde oder auch Quellhumus bestehen. Ich würde Blumenerde mit ein wenig untergemischtem Sand oder Lehmerde empfehlen. Adulte Tiere sind nicht sehr anspruchsvoll in der Haltung und vertragen sowohl niedrige Temperaturen von tagsüber 21-22 Grad, als auch höhere von 26-28 Grad. Zu empfehlen wäre ein Mittelwert von ca. 23-25 Grad tagsüber und ca. 19-20 Grad nachts, wobei jahreszeitlich bedingte Schwankungen nicht weiter schlimm sind. So sollte sich kein Halter verrückt machen, wenn die Temperaturen im Sommer auch mal 30 grad erreichen, solange das kein Dauerzustand ist. Einmal in der Woche sollte man einen Teil des Substrats befeuchten und etwas Wasser an eine Scheibe neben das Gespinst sprühen, weil Baumbewohner allgemein gerne die Tropfen von den Scheiben trinken. Das Substrat sollte in den folgenden 2-3 Tagen komplett ausgetrocknen können.
Die Haltung der Jungtiere gestaltet sich bis ca. zur 5. Fresshaut etwas problematischer. Oft höre ich von Haltern, dass ihnen die Spiderlinge regelmäßig eingehen und sie nicht wissen, woran das liegen könnte. Der Hauptgrund ist wahrscheinlich eine zu feuchte Haltung bei mangelnder Belüftung, oft auch verbunden mit erhöhten Temperaturen. Zur Haltung von Jungtieren eignen sich kleine Kunststoffdosen, wie sie in der Gastronomie eingesetzt werden, welche großzügig gelocht werden sollten. Ein- bis zweimal die Woche spüht man etwas Wasser in eine Ecke der Dose. Die Erde kann dabei ruhig etwas feucht werden, sollte aber in den folgenden zwei Tagen komplett austrocknen. Somit ist die Haltung eigentlich identisch zu der der größeren Tiere, mit dem einzigen Unterschied dass größere Tiere auch mal einen Haltungsfehler verzeihen, Jungtiere aber hingegen sehr schnell sterben.
Anfängerempfehlung? Nein. Avicularia purpurea reagieren zwar in der Regel defensiv und versuchen stets zu flüchten, sind aber durch ihr hektisches Fluchtverhalten nicht geeignet für einen Anfänger. Für den Einstieg in die Haltung von Avicularia Arten würde ich zunächst eine ruhigere Art empfehlen, wie z.B. Avicularia versicolor oder Avicularia metallica. Generell sind jedoch alle Avicularia Arten nur mit dem nötigen Vorwissen zu empfehlen. Möchte jemand einfach nur eine Vogelspinne besitzen, sich aber nicht weiter mit dem Hobby beschäftigen, dem würde ich eher zu anderen Arten raten.
Aktuelle Preise: Adulte Weibchen werden in der Regel nur angeboten, wenn es aktuell Wildfang-Importe gibt. Dann liegen die Preise für ein adultes Weibchen bei ca. 40-50€. Momentan werden A.purpurea so gut wie gar nicht angeboten. Bei der derzeitig hohen Nachfrage dürfte daher der Preis für ein adultes Weibchen bei ca. 60-80€ liegen. Adulte Männchen werden zwar auch selten, aber regelmäßig angeboten und bewegen sich bei ca. 30-45€. Spiderlinge in der 1.FH kosten ca. 6€ und sind regelmäßig erwerbbar.

Zucht: Die Zucht von Avicularia purpurea ist recht einfach. Nach der Verpaarung, die in der Regel sehr friedlich abläuft, sollte man den Bodengrund etwas feuchter halten und bei Bedarf die Temperatur leicht erhöhen. In der Regel bauen die Weibchen nach ca. 8 Wochen einen Kokon, je nach Zustand bei der Verpaarung. Meiner Erfahrung nach sollte man die Weibchen nicht zu früh nach einer Häutung verpaaren und Ihnen ca. zwei Monate Zeit geben, es sei denn man hat ein älteres Männchen und kann es nicht länger aufschieben. Weibchen die zu früh nach einer Häutung verpaart wurden haben bei mir kaum auf das Männchen reagiert und sich zwar gepaart, aber keinen Kokon gebaut. Weiber bei denen die Häutung länger zurück lag haben hingegen durch heftiges Trommeln auf die werbenden Männchen reagiert und dann auch ca. zwei Monate später einen Kokon gebaut.
Der Kokon enthält in der Regel 80 bis ca. 150 Eier, je nach Alter und Zustand des Tieres. Ein guter Durchschnitt liegt bei um die 100 Eiern.

subadultes Weibchen
subadultes Männchen
adultes Männchen
Spiderling, 2. Fresshaut

Mittwoch, 27. April 2011

Brachypelma smithi

Brachypelma smithi (F. O. P.-Cambridge, 1897)

Herkunft: Mexiko
Lebensweise: bodenbewohnend
Endgröße: ca. 8 cm Körperlänge (Weibchen)
Schutzstatus:
WA II

Erstbeschreibung: F. O. P.-Cambridge, Arachnida - Araneida and Opiliones. In Biologia Centrali-Americana, Zoology. London, 2: 1-40.

Allgemeine Beschreibung: Die Gattung Brachypelma gehört zur Unterfamilie Theraphosinae. Der deutsche Trivialname von Brachypelma smithi lautet "Rotknievogelspinne".

Weibchen können eine reine Körperlänge von ca. 8cm erreichen. Die Größe geschlechtsreifer Männchen variiert, kann aber fast an die der Weibchen heran reichen. Wann die Weibchen ihre Geschlechtsreife erreichen lässt sich nicht genau sagen. Vor einer Körperlänge von 6cm würde ich persönlich allerdings keine Verpaarung versuchen.

B.smithi im 1. Nymphenstadium sind sehr klein und einheitlich beige gefärbt. Lediglich der Bereich der Brennhaare am Abdomen ist schwarz. Sie lassen sich vorerst nicht von den meisten anderen Brachypelma Arten unterscheiden, selbst eine Verwechslung mit anderen Gattungen wie z.B. Lasiodora ist möglich. Erst nach einigen Häutungen werden die typischen Beinringe erkennbar, anfangs allerdings noch sehr blass.

Brachypelma smithi wachsen äußerst langsam, so kommt die volle Färbung erst nach ca. drei Jahren mit schätzungsweise 3cm Körperlänge. Männchen erreichen bei durchschnittlicher Haltung die Geschlechtsreife nach ca. 5 Jahren. Weibchen ungefähr im gleichen Alter. Bis eine Körperlänge von ca. 8cm erreicht ist, können aber auch gut und gerne 10 Jahre verstreichen.

Bei einem Kauf einer kleinen B.smithi als Anfänger-Vogelspinne sollte man sich also vorher bewußt sein, dass man Geduld haben muss, bis der Pflegling eine stattliche Größe erreicht hat.

B.smithi lässt sich übrigens anhand eines Merkmals sehr gut von der auf den ersten Blick identisch aussehenden B.annitha unterscheiden. Die Tibia (das Beinglied unter der Patella, mit der orangen-roten Flammenzeichnung) ist bei B.smithi zu ca. einem Drittel weiß gefärbt, bei B.annitha hingegen ca. bis zur Hälfte.

Brachypelma smithi lassen sich vom Verhalten her nur sehr schwer in ein Schema einordnen. Generell sind sie eher defensiv und flüchten bei Störungen. Einige Exemplare fangen allerdings auch umgehend an zu bombadieren, was äußerst unangenehm sein kann, wenn man die feinen Brennhaare auf die Haut oder in die Atemwege bekommt. Je älter Vogelspinnen werden, desto ruhiger werden sie im Verhalten. Große und ältere Exemplare von B.smithi werden gerne für TV-Aufnahmen, oder bei Anti-Arachnophobie-Seminaren benutzt, um auf die Hand genommen zu werden. Einem Anfänger rate ich allerdings davon ab, seine B.smithi im Alleingang auf die Hand zu nehmen.

Haltung: Als optimale Terrariengröße für adulte Tiere würde ich 40*30*30cm (l*b*h) empfehlen. Der Bodengrund sollte ca. 10cm hoch eingefüllt werden und kann z.B. aus einem Gemisch von handelsüblicher Blumenerde und lehmhaltiger Walderde bestehen. Als Versteckmöglichkeit eignet sich eine halbierte Korkröhre, die man ein wenig in den Boden integrieren kann. Von einer Bepflanzung würde ich persönlich bei B.smithi abraten. Wer es nicht lassen kann, der sollte zu Sukkulenten greifen.

Eine zusätzliche Beleuchtung oder Beheizung des Beckens ist bei B.smithi nicht notwendig. Jahreszeitliche Schwankungen sind vollkommen in Ordnung, so dass im Sommer auch mal Temperaturen von um die 30 Grad erreicht werden dürfen und im Winter auch mal etwas unter 20 Grad. Man sollte lediglich immer darauf achten, dass das Terrarium nicht in der direkten Sonneneinstrahlung steht.

Beim Thema Luftfeuchtigkeit und Substratfeuchte scheiden sich bei B.smithi wahrscheinlich die Geister. Laut Klimmadiagramm herrscht im Verbreitungsgebiet von ca. Mai bis Oktober eine Regenzeit und von November bis April Trockenzeit. Möchte man B.smithi züchten, dann kommt man für eine erfolgreiche Nachzucht wahrscheinlich nicht um eine Simulation der Regenzeit herum, wobei diese ruhig deutlich kürzer ausfallen darf. Als einfacher Halter würde ich aber empfehlen, die Regenzeit komplett wegzulassen und B.smithi immer trocken zu halten. Lediglich der Wassernapf sollte immer gefüllt sein, das Substrat selbst sollte in der Regel komplett trocken sein. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass B.smithi bei zu feuchter Haltung gerne mal die Glasscheiben raufklettert und sogar in die Lüftungsgitter beißt.

Anfängerempfehlung? - Ja. Brachypelma smithi wird zurecht gerne als Anfänger-Vogelspinne empfohlen. Es sind in der Regel ruhige und pflegeleichte Tiere, die auch mal einen Haltungsfehler verzeihen. Ein weiterer Punkt, der diese Art sehr attraktiv macht ist, dass sie im Terrarium oft zu sehen ist und nicht sonderlich versteckt lebt. Vor einem Kauf eines kleinen Tieres sollte man sich nur bewußt sein, dass B.smithi sehr langsam wächst. Trotz ihres generell ruhigen Charakters sollte man es zudem vermeiden, die Tiere auf die Hand oder aus dem Terrarium zu nehmen.

Aktuelle Preise: Adulte Weibchen kosten momentan ca. 60€, adulte Männchen ca. 40€. Spiderlinge in der 1.FH sind bereits für ca. 3€ erhältlich.

adultes Weibchen
Brachypelma smithi Weibchen

Brachypelma smithi Weibchen

adultes Männchen

zweckmäßig eingerichtetes Terrarium
Brachypelma smithi Terrarium

abgestreifte Brennhaare am Abdomen
Brachypelma smithi Brennhaare

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Psalmopoeus irminia

Psalmopoeus irminia Saager, 1994

Herkunft: Venezuela
Lebensweise: baumbewohnend
Endgröße: 5-6 cm Körperlänge (Weibchen)

Erstbeschreibung: Saager, F. Psalmopoeus irminia sp. n., Beschreibung einer neuen Aviculariinae (Theraphosidae, Aviculariinae, genus Psalmopoeus) inclusive einem Vergleich mit Psalmopoeus cambridgei. Arthropoda 2: 59-71.

Allgemeine Beschreibung: Die Gattung Psalmopoeus gehört zur Unterfamilie Selenocosmiinae. Der Name Psalmopoeus bedeutet soviel wie "Psalmsänger" und leitet sich davon ab, dass sie ein Stridulationsorgan besitzen.

Weibchen können eine Körperlänge von ca. 6cm erreichen. Sie werden allerdings weitaus früher geschlechtsreif und können durchaus schon mit 4cm Körperlänge einen Kokon bauen. Geschlechtsreife Männchen können in der Größe stark variieren. Durchschnittlich haben sie aber eine Größe von ca. 3-4cm Körperlänge. Dabei kann die Beinspannweite durchaus an die der Weibchen heran reichen bzw. diese sogar überragen.

P.irminia sind ab der ca. 5.-6. Fresshaut bis hin zum adulten Stadium einheitlich tief schwarz gefärbt, mit einem metallisch-grün schimmernden Carapax, einem orange-beige gemustertem Abdomen und den typischen knallig orangen Streifen über Tarsus und Metatarsus aller Beinpaare. Männchen weichen erst nach der Häutung zur Geschlechtsreife davon ab und sind dann einheitlich grau, mit einem grünlich schimmernden Carapax, einem leicht bräunlichem Abdomen und verblassten, orangen Streifen über Tarsus und Metatarsus aller Beinpaare.

Nymphen sind schwarz mit einem beige gemustertem Abdomen, einem beige-braunem Carapax und einem komplett beigen Metatarsus aller Beinpaare.

Psalmopoeus irminia sind vom Verhalten her in erster Linie defensiv und ziehen sich bei Störung in ihre Wohnröhre zurück. Ist dies nicht möglich so versuchen sie meist blitzartig zu flüchten, wobei sie an Abgründen und Kanten oft einen kleinen Sprung machen und zu Boden "segeln". Ganz selten gehen Psalmopoeus irminia bei Bedrohung auch in Drohstellung, schlagen mit den Vorderbeinen nach dem Angreifer und könnten in letzter Instanz auch zubeißen, wobei ich das persönlich noch nie erlebt habe.

Haltung: Als optimale Terrariengröße für adulte Tiere würde ich 20*20*30cm (l*b*h) empfehlen. Der Bodengrund sollte mindestens 10cm hoch eingefüllt werden und kann aus Blumenerde, Walderde oder Torf bestehen. Zudem kann man ein wenig Seramis darunter mischen, damit sich die Feuchtigkeit länger hält. Ein absolutes Muss ist eine hochkant gestellte Korkröhre, die in der Regel sofort angenommen und nach unten bis zum Boden ausgebaut wird.

P.irminia ist nicht anspruchsvoll in der Haltung und verträgt sowohl niedrige Temperaturen von tagsüber 21-22 Grad, als auch höhere von 26-28 Grad. Zu empfehlen wäre ein Mittelwert von ca. 23-25 Grad tagsüber und ca. 19-20 Grad nachts, wobei jahreszeitlich bedingte Schwankungen nicht weiter schlimm sind. So sollte sich kein Halter verrückt machen, wenn die Temperaturen im Sommer auch mal 30 Grad erreichen, solange das kein Dauerzustand ist. Der Bodengrund sollte einmal in der Woche gründlich befeuchtet werden. Dabei ist zu beachten dass er nicht komplett nass ist, sondern eben nur feucht. Aufgrund der etwas feuchteren Haltung ist es empfehlenswert, weiße Asseln unter den Bodengrund zu mischen.

Die Aufzucht von Spiderlingen gestaltet sich durch die Robustheit der Tiere genauso einfach. Bis zur Umsetzung in ein Terrarium hält man die Tiere in kleinen Plastikbehältern, wie man sie aus der Gastronomie kennt. Eine Korkröhre brauchen Spiderlinge nicht unbedingt, weil sie sich anfangs wie Röhrenbewohner in den Boden eingraben. Ansonsten unterscheidet sich die Haltung nicht von der der größeren Tiere.

Nymphen lassen sich übrigens auch sehr gut bis zur 4.-5. Fresshaut in Gruppe halten, wobei man natürlich immer mit ein paar Verlusten rechnen muss.

Anfängerempfehlung? - Ja, aufgrund der einfachen Pflege und der Robustheit sind P.irminia sehr gut für einen Anfänger geeignet. Der Halter sollte nur in Kauf nehmen, dass P.irminia aufgrund der versteckten Lebensweise eher selten zu sehen sind. Außerdem ist beim Einsetzen und Umsetzen etwas Vorsicht geboten, weil die Tiere teilweise hektisch reagieren und blitzartig fliehen können.

Aktuelle Preise: Adulte Weibchen kosten momentan ca. 40€, adulte Männchen ca. 20€. P.irminia werden regelmäßig gezüchtet. Spiderlinge in der 1.FH sind bereits für ca. 2-3€ erhältlich.

Zucht: Die Zucht von Psalmopoeus irminia ist sehr einfach. Die Verpaarung läuft eigentlich immer sehr sehr friedlich ab und glückt in den meisten Fällen. In der Regel bauen die Weibchen nach ca. 4-8 Wochen einen Kokon. Eine Besonderheit von P.irminia ist, dass die Weibchen zwei, teilweise sogar drei, Kokons nacheinander bauen können, ohne sich zu häuten. Dabei ist eine erneute Verpaarung zwar nicht unbedingt notwenidig, aber empfehlenswert.

Der Kokon enthält in der Regel 80 bis ca. 150 Eier, je nach Alter und Zustand des Tieres. Ein guter Durchschnitt liegt bei um die 100 Eiern.

adultes Weibchen


adultes Männchen


juveniles Weibchen


Spiderling 3. Fresshaut


Larven

Sonntag, 19. August 2007

Ephebopus cyanognathus

Ephebopus cyanognathus West & Marshall, 2000

Herkunft: Französisch Guyana
Lebensweise: röhrenbewohnend
Endgröße: 5 cm Körperlänge (Weibchen)

Erstbeschreibung: West, R. C. & S. D. Marshall. Description of two new species of Ephebopus Simon, 1892 (Araneae, Theraphosidae, Aviculariinae). Arthropoda 8(2): 6-14.

Allgemeine Beschreibung: Derzeit gehört die Gattung Ephebopus der Unterfamilie Aviculariinae an und zählt somit zu den Baumbewohnern. Der Habitus dieser Gattung, die größtenteils röhrenbewohnende Lebensweise und die Tatsache, dass die Tiere Reizhaare an den Femora der Pedipalpen haben, sprechen aber deutlich gegen die Einteilung in diese Unterfamilie und lassen eine Revision in naher Zukunft vermuten. Weibchen erreichen eine reine Körperlänge von ca. 4-5cm, adulte Männchen ca. 3cm. Adulte Weibchen haben einen bräunlich-beigen Carapax, mit dunkleren Stellen im Bereich des Augenhügels, der leicht grünlich schimmert. Das Abdomen ist glänzend grün-beige gefärbt und mit einigen wenigen rötlichen Haaren bestückt. Die hinteren zwei Beinpaare haben eine bräunlich-orange Grundfarbe, die beiden vorderen und die Pedipalpen hingegen haben eine dunkelbräunlich graue. An allen Beinen und den Pedipalpen befindet sich ein deutlicher gelber Ring zwischen Femur und Patella. Ein weiteres, beeindruckendes Merkmal sind die metallisch glänzenden Chelizerenbasalglieder, die bei Spiderlingen und juvenilen Tieren blau und später lila gefärbt sind. Dadurch unterscheidet sich Ephebopus cyanognathus von Ephebopus uatuman. Adulte Männchen sind ähnlich gefärbt, jedoch in der Gesamtheit dunkler.

Vom Verhalten her reagiert Ephebopus cyanognathus äußerst hektisch auf Störungen, bevorzugt aber als Verteidgung den Rückzug, falls dieser möglich ist. Ist diese Möglichkeit nicht gegeben, dann verteidigt sich diese Art meistens durch den Einsatz der Brennhaare an den Pedipalpen. Es gibt jedoch auch Tiere, die sich bei Belästigung direkt in Drohstellung aufstellen, mit den Vorderbeinen zuschlagen und auch nicht davor scheuen zu beißen.


Haltung: Der Schlüssel für ein defensives Verhalten, ist die richtige Haltung dieser Art. Anders als andere Vertreter der Unterfamilie Aviculariinae, hält man die Gattung Ephebopus nicht als Baum- sondern als Röhrenbewohner. Dafür eignen sich einerseits normale Terrarien, in die man Erde in einem 45 Grad Winkel nach hinten hin aufschüttet, aber auch sogenannte "Haplopelma-Tanks", hohe Vorratsdosen oder "Fürstplast"-Dosen. Alle Alternativen haben gemein, dass man die Erde mit mindestens ca. 15cm einfüllt. Der Bodengrund sollte zudem fest gedrückt werden und grabfähig sein. Dafür eignet sich z.B. ein Gemisch aus torfhaltiger Blumenerde mit etwas Sand oder lehmhaltiger Walderde. Zusätzlich sollte man eine Röhre mit einem Holzstab vorstechen, welche in der Regel schnell angenommen und ausgebaut wird. Das Substrat sollte ständig leicht feucht sein, wobei aber trotzdem für eine gute Belüftung zu sorgen ist. Das Hinzufügen tropischer weißer Asseln, die Schimmel und Futtertierreste essen, hat sich bei mir außerdem sehr bewährt.

Ich bevorzuge die Haltung in "Fürstplast"-Dosen, einerseits wegen Platzersparnis und der Kostengünstigkeit, anderseits finde ich sie auch optisch durchaus ansprechend.

Die Temperaturen sollten tagsüber ca. 23-25 Grad Celsius betragen und können nachts auf 19-20 Grad abfallen. Eine jahreszeitlich bedingte Schwankung ist durchaus wünschenswert, wodurch die Temperaturen im Sommer auch einmal höher und immer Winter niedriger ausfallen können. Eine Beleuchtung ist nicht erforderlich.

Anfängerempfehlung?
- Nein. Als Anfängertier würde ich Ephebopus cyanognathus nicht empfehlen. Der Grund ist nicht die Aggressivität dieser Art, die bei richtiger Haltung zu vernachlässigen ist, sondern die anspruchsvollere Haltung und die Tatsache, dass diese Art bei richtiger Haltung eher selten bzw. so gut wie gar nicht zu sehen ist.

Aktuelle Preise: Adulte Weibchen sind derzeit sehr selten und kosten ca. 60€. Adulte Männchen werden etwas öfter angeboten und bewegen sich bei ca. 40€. Spiderlinge in der 1.FH kosten ca. 12€ und sind regelmäßig erwerbbar.

Zucht:
Bisher hatte ich keine erfolgreiche Nachzucht und kann daher wenig eigene Erfahrung einbringen. Meine einzige Verpaarung dauerte sehr lange, weil sowohl Männchen als auch Weibchen sehr vorsichtig vorgingen. Der Akt ansich ging dann sehr schnell und die Tiere trennten sich danach friedlich. Man sagt, dass Ephebopus cyanognathus nicht besonders schwer zu züchten ist und nach erfolgreicher Verpaarung fast immer einen Kokon baut. Dieser sollte nach 6-7 Wochen entnommen werden, weil diese Art wohl dazu neigt, den Kokon vorzeitig zu fressen.

Der Kokon enthält in der Regel 80-150 Eier.

adultes Weibchen


adultes Männchen


Spiderling 5. Fresshaut

Avicularia spec. Purple

Avicularia spec. Purple

Herkunft: Peru
Lebensweise: baumbewohnend
Endgröße: 6 cm Körperlänge (Weibchen)

Erstbeschreibung: noch nicht beschrieben.

adultes Weibchen

adulter Bock

Verpaarung


Mittwoch, 8. August 2007

Chromatopelma cyaneopubescens

Chromatopelma cyaneopubescens (Strand, 1907)

Herkunft: Venezuela
Lebensweise: opportunistisch (hält sich sowohl am Boden, als auch auf Bäumen auf)
Endgröße: 6-7 cm Körperlänge (Weibchen)

Erstbeschreibung: Strand, E. (1907l). Aviculariidae und Atypidae des Kgl. Naturalienkabinetts in Stuttgart. Jahresh. Ver. Naturk. Württbg. 63: 1-100.

Allgemeine Beschreibung:
Die Gattung Chromatopelma ist monotypisch, womit Chromatopelma cyaneopubescens die einzige Art dieser Gattung ist. Weibchen erreichen eine reine Körperlänge von ca. 7cm, adulte Männchen variieren in ihrer Endgröße stark und können zwischen ca. 3cm und 5cm Körperlänge erlangen. Die Färbung beider Geschlechter ist identisch, der Carapax ist grün, die Beine metallisch blau und das Abdomen orange. Als ein Vertreter der Unterfamilie Theraphosinae ist das Abdomen mit Reizhaaren bestückt. Vom Verhalten her ist Chromatopelma cyaneopubescens eher hektisch und tritt bei Störung meist blitzartig die Flucht an. Sie scheuen sich aber auch nicht, die Brennhaare einzusetzen. Bisher habe ich noch nie ein Tier in Drohstellung gehen, geschweige denn zubeißen, sehen.

Haltung: Als ideales Becken würde ich ein 30*30*30cm Terrarium mit Doppellüftung empfehlen, das mit mehreren Korkstücken und wenigstens einer hochkant gestellten Korkröhre ausgestattet ist. Der Bodengrund kann aus handelsüblicher Blumenerde bestehen, die ca. 5-10 cm hoch eingefüllt und gut festgedrückt werden sollte. Zusätzlich hat sich das Beimischen von etwas Seramis bei mir bewährt. Alle 1-2 Wochen sprühe ich etwas Wasser an eine Seitenscheibe neben das Gespinst, befülle die Wasserschale und lasse sie etwas überlaufen. Durch die gute Belüftung ist das Substrat dann nach 2-3 Tagen wieder komplett ausgetrocknet.

Die Temperaturen tagsüber betragen durchschnittlich ca. 24-26 Grad, nachts ca. 19 Grad. Je nach Jahreszeit schwanken diese Werte natürlich, was aber nicht weiter schlimm ist.

Anfängerempfehlung?
- Definitiv ja. Chromatopelma cyaneopubescens reagiert zwar recht hektisch und schnell auf Störungen und neigt zum Bombadieren, ist dafür aber sehr einfach zu pflegen und sehr zeigefreudig.

Aktuelle Preise: Adulte Weibchen kosten ca. 50-65€, adulte Männchen ca. 20-40€, Spiderlinge in der 1.FH ca. 5-6€.
Zucht:
Hier geht es zum Verpaarungsbericht von Chromatopelma cyaneopubescens.

adultes Weibchen

adultes Männchen

Spiderling 4. Fresshaut

Vorspiel